Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) an der Theodor Dierlamm Schule ist sehr vielseitig. Zwei „FSJlerinnen“ berichten von ihren Erfahrungen in der Abteilung „Bergschule“, in der Schülerinnen und Schüler mit schweren Behinderungen unterrichtet werden. Ein Großteil der Schüler kann sich sprachlich nicht mitteilen.
Ein gewöhnlicher Schultag beginnt für uns in der Tiefgarage der Diakonie Stetten. Von dort aus streuen sich unsere Wege bis nach Rudersberg, Plüderhausen und Bad Cannstatt um Schüler abzuholen, die nicht im Wohnheim der Diakonie Stetten wohnen, sondern ihr Zuhause bei ihren Eltern haben.
Angekommen in der Schule, unterstützen wir die Klassen in der Andacht, den täglichen „kleinen Gottesdiensten“ und im Unterricht. Wir bringen uns bei der „Förderpflege“, als auch durch aktive Mitarbeit und Unterstützung bei vielen anderen Unterrichtseinheiten ein. Auf dem Stundenplan kann Schwimmen, Sport, Kochen oder Musik stehen. Durch die enge Zusammenarbeit mit den Schülern erleben wir deren Alltag auf eine ganz besondere Art und Weise. Dabei lernt man unter anderem seine eigenen Grenzen einzuschätzen, anfängliche Hemmungen und Berührungsängste zu überschreiten und hat somit die Möglichkeit über sich selbst hinaus zu wachsen.
Wie könnte der gewöhnliche Schulalltag aus der Sicht eines Schülers wahrgenommen werden? Was hätte er wohl zu berichten, wenn er wie wir sprechen und schreiben könnte?
Vielleicht Folgendes:
„Um 8.00 Uhr morgens bringt mich ein Gruppenerzieher in die Schule, damit ich pünktlich zur Andacht auf meinem Platz sitze. Von dort aus habe ich den totalen Überblick und erfreue mich an der schönen Musik – vor allem an den Bläsern, die leider viel zu selten die Andacht begleiten.
Nach der Andacht gehe ich gemeinsam mit meiner Klasse ins Klassenzimmer. Dort lege ich mir zuerst anhand von meinen Bildkarten meinen Stundenplan um zu wissen, auf was ich mich heute freuen kann. Danach höre ich gemeinsam mit meiner Lehrerin/FSJ meinen Big Mac ab, damit sie wissen, wie es mir geht und was ich heute schon gemacht habe. Nach einer frischen Windel beginnt der Morgenkreis, den wir meistens mit zwei anderen Klassen erleben dürfen. Während des Morgenkreises bin ich von den neuen Abenteuern wie z.B. von Findus und Peterson fasziniert und tauche tief in die Welt der beiden ein. Anstatt jedoch das Holz im Tischlerschuppen zu bemalen, bin ich voll auf begeistert mit dem Pinsel auf das Holz zu klopfen.
So … jetzt bin ich aber hungrig und freue mich auf mein Leberwurstbrot!
Nach dem Vesper geht´s auf in die Pausenhalle, wo ich mich gemütlich in das Kugelbad lege und mich von dem Getümmel um mich herum nicht stören lasse.
Kurze Zeit später, nach einer neuen Windel, gibt mir meine Lehrerin eine Bildkarte, auf der ich einen Topf und einen Schneebesen erkennen kann. Nun fangen wir an Erdbeeren zu schneiden und diese zusammen mit Quark und der Sahne in den Mixer zu geben… den ich sogar selbst bedienen kann. Lecker, lecker, lecker !
Nach dem tollen Erdbeerquark werde ich in die Reittherapie gebracht, danach endet mein Schultag und ich freue mich schon wieder auf morgen.“
Nach dem gemeinsamen Mittagessen geht der Schulalltag zu Ende... ein Teil der „FSJlerinnen“ beteiligt sich am Fahrdienst, die Anderen erledigen die Schließrunde der Bergschule – damit das Schulhaus abgeschlossen ist und niemand eingeschlossen wird.
Susanne B., Lind G. und Christiane S.