Dr. Georg Friedrich Müller gründete im Jahre 1849 die ersten Einrichtungen der „Heil- und Pflegeanstalt Stetten“, heute Diakonie Stetten, in denen Menschen mit einer geistigen Behinderung gefördert und begleitet wurden. Der Schulbetrieb begann mit zwei damals als „schwachsinnig“ bezeichneten Schülern. Bereits 1850 wurde die Schule von der königlichen Staatsregierung anerkannt und 1852 konnten 51 Schüler unterrichtet werden.
Unter dem ersten Schulleiter Johannes Landenberger, Schwiegersohn des Gründers der Anstalt Dr. Müller, unterrichteten 1864 bereits bis zu 10 Lehrkräfte nun auch „epileptische“ Kinder und Jugendliche.
Unser berühmtester Schüler, Hermann Hesse, wurde 1892 aufgrund einer „Gemütsstörung“ für 90 Tage an unserer Schule unterrichtet.
Im Jahre 1900 erhielt die Einrichtung ihr erstes eigenes Schulhaus.
Doch immer noch war das Spektrum der Schülerschaft sehr breit. Um dieser Vielfalt gerecht zu werden wurden differenzierte Angebote geschaffen: „Vorklassen“ mit dem Ziel der Vorbereitung auf die Schule, eine „Fortbildungsschule“ um das Erlernte zu festigen, „Handfertigungsklassen“, um „geistig und körperlich gebrechliche“ und „epileptische“ Schülerinnen und Schüler anzuleiten sowie eine „Webschule“, in der „kranke“ Menschen auf die Arbeit in der Handweberei vorbereitet wurden.
Im Dritten Reich, bevor die Anstalt Stetten zwischen 1940 und 1946 geschlossen wurde, kam es zu mehreren Deportationen und der Ermordung auch von Schülerinnen und Schülern.
1946 wurde der Schulbetrieb wieder aufgenommen.
Zum Herbst 1950 konnten bereits wieder 5 Klassen gebildet werden.
Der Namensgeber unserer Schule, Theodor Dierlamm, übernahm im Jahr 1951 die Schulleitung.
Im Jahr 1952 bekam die Schule, nach der Rückgabe der im Dritten Reich enteigneten Immobilien, wieder ihr Schulhaus zurück.
Nach der Einführung des Hilfsschulgesetzes 1955 stieg die Schülerzahl kontinuierlich an. In den 60er Jahren wurden Kinder und Jugendliche mit einer geistigen Behinderung, die man bislang als „bildungsunfähig“ bezeichnete, per Schulgesetz für „bildungsfähig“ erklärt.
Die „Schule für Schwachsinnige“ bekam damals einen neuen Namen und wurde zur „Schule für Geistigbehinderte“.
Wenig später erhielt sie in der sich stark verändernden Bildungslandschaft ihren ersten eigenen Bildungsplan, der maßgeblich auch auf der Grundlage der in Stetten durchgeführten Arbeit entstand.
Seit 1975 ist unsere Schule staatlich anerkannte Ersatzschule.
Nach weiteren Fortschritten im päd. Selbstverständnis wollte man auch schwerstmehrfachbehinderten Schülerinnen und Schülern, die bislang für nicht beschulbar gehalten wurden, gerecht werden.
Um den besonderen Bedürfnisse dieser Schülerschaft gerecht zu werden wurde im Jahr 1980 ein neues, rollstuhlgerechtes Schulgebäude mit Bewegungsbad, Luftkissen und Räumen für Bewegungserziehung u. a. eingeweiht.
Aufgrund der baulich sehr differenzierten und praxisnahen Gestaltung wurde die neu erstellte „Bergschule“ zu einem Schulgebäude mit Vorbildcharakter.
Die Schülerzahlen waren in den 70er und 80 er Jahren zwischenzeitlich bis auf weit über dreihundert Schüler angestiegen, als Theodor Dierlamm nach 30jähriger Rektorentätigkeit die Schulleitung an Herrn Trümmner übergab.
Die Theodor Dierlamm Schule mit ihren Abteilungen Schloss-Schule, Bergschule und Werkstufe sowie der ihr angegliederte Schulkindergarten wird seit dem Jahr 2000 geleitet von Dr. Max Löffler. Die ca. 89 Lehrerinnen und Lehrer unterrichten die Schülerinnen und Schüler in Teilzeit und Vollzeit nach modernen Grundsätzen und Methoden, die kontinuierlich weiterentwickelt und fortgeschrieben werden.